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| Treffen
der "Böllerköppe" in Grevenstein: Die
Kanoniere laden geschwind wieder ihre Büchsen.
Fotos (2): Dennis Jerchow |
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Grevenstein. Marvin Tillmann wird langsam
nervös. Schon zum dritten Mal hat sein kleiner Handböller versagt.
Ladehemmungen. Ausgerechnet jetzt. Dabei warten hunderte "Böllerköppe"
aus ganz NRW auf den Sechsjährigen. Mit seinem Schuss soll er das
zweite Grevensteiner Böllerschützentreffen eröffnen.
Jetzt oder nie. Marvin kneift die Augen zu.
Zieht den Kopf ein und drückt ab. Und endlich zerreißt ein lauter
Knall die Stille im Grevensteiner Tal bei Meschede. "Das war ja
wirklich ganz schön heftig", meint der Kleine und grinst. Das
Festival der Schüsse ist eröffnet.
Auf diesen Moment haben die 13 angereisten
Vereine gewartet. Der Reihe nach lösen sie ihre Höllenmaschinen
aus. Im Minutentakt rollen Donnerschläge über die Hänge.
"Bei uns im Zelt können sie sich Ohrenschützer abholen",
empfiehlt der Moderator des Spektakels Peter Mester. Sein Verein,
die "Aisten Griavenstainer Boellerkoeppen" richten das
Treffen aus. Und feiern gleichzeitig ihr zehnjähriges Bestehen.
Wieder lässt ein Knall die Besucher zusammenzucken. "Ohne
Schutz hält man das nicht lange aus."
Kinder halten sich die Ohren zu, zucken
erschrocken zusammen. Ein älterer Mann hat seine ganz eigene
Methode gefunden, um den Lärm abzuschirmen: Ihm hängen lange
Taschentuchfetzen aus den Ohren.
Fetzen liegen auch genug auf der Wiese. Mit
jedem Knall spucken die Kanonen eine meterlange Rauchwolke aus.
Kleine Papierreste fliegen durch die Luft, segeln dampfend zu Boden.
Es riecht verbrannt, ein bisschen wie in der Silvesternacht. Wieder
nähert sich ein "Böllerkopp" mit der glühenden Lunte
seiner Kanone. Die Ladung explodiert, durch den Rückschlag rollt
das schwere Eisengeschoss um fast fünf Meter nach hinten. Die
Zuschauer klatschen.
Dann ist die erste Böller-Serie ist vorrüber.
Sofort kümmern sich die Kanoniere wieder um ihre leergeschossenen
Rohre. Nachladen. Stefan Kleinhans von den "Historischen
Kanonieren" des Schützenvereins Ossendorf füllt mit einer
langen Schaufel neues Schwarzpulver in das schwere, gegossene
Monstrum.
Er trägt ein langes Gewand, mit blauen und
roten Streifen. Wie in einem Kostümfilm. "Wir beziehen uns auf
eine Schlacht, die 1760 bei uns im Ort stattgefunden hat", erklärt
er. Auch seine Kumpane tragen die gleichen bunten Kleider. Ein
geschwungener Hut komplettiert die Maskerade. "Das ist alles
selbstgemacht - mit Hilfe unserer Frauen", erzählt er
schmunzelnd.
Der kleine Marvin steht mittlerweile ein
wenig abseits, verfolgt mit aufgerissenen Augen und zugehaltenen
Ohren das laute Schauspiel. "Schade, dass ich nur mit einem
kleinen Zündhütchen knallen darf", meint er. Und beobachtet
die Großen ganz genau. Denn irgendwann, dann will er auch einmal
ein "richtiger Kanonier" werden.Böllerschützentreffen.
29.09.2002
Von Dennis Jerchow |